St. Stephani zu Helmstedt - über 700 Jahre gotische Hallenkirche![]() Die Stephani-Kirche war die erste Pfarrkirche Helmstedts. Sie steht an höchster Stelle der Stadt, deshalb auch Ecclesia in monte genannt. Bei der Kirche befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach ein alter Wik, ein Handelsplatz, an dem die Fernhändler auf ihren jährlichen Ost-West-Ost-Reisen “ihre Deichseln niederlegten”* und hier Handel betrieben. St. Stephani hatte eine romanische Vorgängerkirche aus der ersten Hälfte des 12. Jh., die im Machtkampf zwischen Staufern und Welfen in der Sylvesternacht 1199 auf 1200 stark zerstört worden war - wie auch Helmstedt selbst. Etwa zeitgleich mit Beginn des Baues der Stadtmauer um 1230 wurde mit dem Neubau der Kirche begonnen, im jetzt modernen Stil der Gotik, und bereits im Jahre 1300 wurde die Kirche geweiht. Im Jahre 1568, als Herzog Julius, Gründer der Helmstedter Universität, die Regierung übernahm, wurde im gesamten Braunschweiger Land (in der Stadt Braunschweig schon 1528) die Reformation eingeführt. Bis zur Säkularisierung hatte immer noch der Abt vom katholisch gebliebenen Kloster Ludgeri die Einsetzung eines Pfarrers zu bestätigen. Am Eingang der Kirche steht das über 400 Jahre alte Messing-Taufbecken, eine Arbeit der Hildesheimer Werkstatt Pelcking. Insgesamt gibt es sechs Taufbecken dieses ‘Modells’ (weitere stehen in Hildesheim, Peine und Hessisch-Oldendorf). Im Beckenrand und auf dem Deckel werden je sechs Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament gezeigt, die vom Wasser der Reinigung und des Lebens erzählen (z. B. Taufe, Arche Noah). Das kelchförmige Taufbecken ist gekrönt mit der Trinität. Die Renaissance-Kanzel von 1596 ist eine der ältesten rein protestantischen Kanzeln; sie gehört zu den vier schönsten im Braunschweiger Lande.** Dazu gehören die Kanzeln von St. Martini, Braunschweig, St. Marien, Wolfenbüttel und der Klosterkirche Riddagshausen. Der Kruzifixus wurde einst von dem Schriftsteller Jochen Klepper bewundert, der ihn... dem Gekreuzigten von St. Sebald... in Nürnberg (geschaffen von Veit Stoß) ähnlich fand. Er ist eine ergreifende Darstellung aus dem ausgehenden Mittelalter. Die Mondsichelmadonna stammt vom Anfang des 16. Jh. Neben dem Christus-Kind auf ihrem linken Arm, das den Segensgestus zeigt, trägt Maria in der rechten Hand das Zepter, das sie hier als Himmelskönigin ausweist. Die Mondsichel ist dunkel gefasst und zeigt ein Gesicht (s. Off. 12,12). Das barocke Hochaltar-Retabel ist eine Schenkung des Helmstedter Bürgermeisters Royer aus dem Jahr 1644. Neben dem Abendmahl in der Predella zeigt das Hauptbild die Anbetung der Könige und das obere Bild Jesus im Gebets-kampf im Garten Gethsemane am Ölberg in Jerusalem. ![]() Vor gut 100 Jahren hat die Kirche neue Fenster erhalten. Die bunten Fenster sind Stiftungen Helmstedter Familien bzw. Betriebe. Zum Beispiel: - Das bunte mittlere Fenster der Nordseite zeigt die Übergabe der Gründungsurkunde für die Helmstedter Universität an ihren ersten Rektor; darüber ist das Universitätswappen zu sehen.
In unserer Kirche befinden sich viele Epitaphe und Grabplatten, die teils in der Kirche bzw. bis 1811, bis zur Aufhebung des Friedhofes, auf dem Kirchhof um die Kirche herum auf den Gräbern lagen. Sie sind schöne Zeitzeugen und berichten aus dem Leben früherer Professoren-Familien bzw. anderer hochgestellter Persönlichkeiten der Helmstedter Vergangenheit. zum Beispiel: Die gusseiserne Grabplatte erzählt von dem tragischen Geschick des Studenten Koch ( 1584) aus der Anfangszeit der Universität.
![]() Die große Orgel aus der Schuke-Werkstatt Berlin wurde anlässlich des 675 jährigen Jubiläums der Kirche 1975 fertiggestellt. Die Besichtigung des Gewölbebodens sowie einer kleinen Ausstellung zu den Restaurierungsarbeiten 2006/2007 und der Glocken im oberen Teil des Westwerkes ist jeweils am Tage des offenen Denkmals (2. Sonntag im September), anlässlich unserer Gemeindefeste oder nach Voranmeldung im Gemeindebüro St. Stephani möglich, das zusammen mit der Propstei Helmstedt in dem schönen Beginenhaus südlich der Kirche residiert. Helmstedt, im Januar 2008 Rosemarie Pohl * Robert Schaper: Geschichten aus Helmstedts Geschichte, 1963 Kontakt: Öffnungszeiten: und nach Vereinbarung Gottesdienste: Kindergottesdienst (im Gemeindehaus) jeden 2. Samstag im Monat um 10.00 Uhr Andacht (im Max-Planck-Weg 1) Mittwoch um 17.00 Uhr Orgelvesper (in St. Stephani) letzter Samstag im Monat um 18.00 Uhr Aktuelle Gottesdienste und Termine zu unseren Veranstaltungen entnehmen Sie bitte den Aushangkästen bzw. erhalten Sie im Internet. |