Eröffnung: 13. August, 18 Uhr
Öffnungszeiten: Sa + So, 15-18 Uhr
Begleitprogramm: Katalog-Vorstellung mit Gespräch über Technologie und Theologie mit Pröpstin Katja Witte-Knoblauch, Samstag, 5. September, 15 Uhr
Ort: Malerkapelle am Elm
Der Kunstverein „Förderkreis Malerkapelle am Elm“ hat die Künstler Daniel Kuge (Braunschweig) und Jan Neukirchen (Hannover) eingeladen, vom 13. August bis zum 6. September in Königslutter auszustellen. Die beiden Künstler lassen sich von dem Ort inspirieren – einer entweihten Friedhofskapelle, die ihre ursprüngliche Funktion als Raum der Trauer und des Gedenkens verloren hat. Sie setzen sich mit den zivilisatorischen Artefakten und Hinterlassenschaften der Menschheit auseinander, mit dem Informationsverlust und dem Unsichtbaren.
Im Inneren des Saalbaus mit seinem Kreuz-Satteldach wird man Funksignale, Rauschen und rätselhafte Geräusche hören, die von der Klanginstallation Jan Neukirchens in Echtzeit empfangen werden. Die sonst unbemerkt bleibende Infrastruktur wird auf diese Weise wahrnehmbar. Daniel Kuges Malereien, die eigens für diese Ausstellung entwickelt wurden, sind vom Forschungsfeld der Atomsemiotik inspiriert und befassen sich mit der kerntechnischen Infrastruktur als Teil des kulturellen Erbes sowie mit der langfristigen Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Eine weitere Neuproduktion ist Neukirchens Blackbox, ein Objekt zwischen Archiv, Grabstätte und Endlager, in das ein langer Streifen mit Satellitenbildern aufgespult wird. Der Künstler hat die Aufnahmen von dem Wettersatelliten NOAA-15 empfangen; sie sind ein letztes Dokument einer inzwischen vergangenen Ära. Die Räumlichkeiten werden nur von natürlichem Licht und den Videoarbeiten Kuges beleuchtet. Die Projektionen von Daniel Kuge widmen sich der nukleartechnischen Wertschöpfungskette: Stromerzeugung, Atommüll, Endlager. Eine besondere Rolle nimmt hier das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Abfälle in Finnland ein: Onkalo verfolgt das Prinzip des Verstecks und der Nicht-Kennzeichnung. Daniel Kuge und Jan Neukirchen haben beide Freie Kunst an der HBK Braunschweig studiert und ihre Studien mit Meisterschüler-Titeln abgeschlossen. Die Ausstellung in der Malerkapelle ist das erste Kooperationsprojekt der beiden Künstler. Gemeinsamkeiten in den Positionen der Künstler finden sich im Bereich von Technik, Raum, Codierung und Sprache. Beide haben ihre Arbeiten bereits in Einzel- und Gruppenausstellungen auf nationaler und internationaler Ebene ausgestellt.
Daniel Kuge ist ein deutscher Künstler mit südkoreanischen Wurzeln, der in seiner künstlerischen Praxis Interpretationen zivilisatorischer Hinterlassenschaften und Perspektiven einer Nachwelt reflektiert. Wie werden anthropogene Spuren, industrielle Artefakte und das Verhältnis vom Menschen und seinen Objekten gelesen und interpretiert? Wie schreibt sich der Mensch mit seinen Objekten und Maschinen in die Welt ein? Jan Neukirchens Arbeiten entstehen aus Datensammlungen und Algorithmen; offene Regelkreise, die ihre fragile Form und räumliche Präsenz auch in flüchtigem Schall und Licht finden. Sie machen Unverständliches hörbar und lassen hinter nicht Vorgezeichnetem Muster sichtbar werden. In der Rezeption offenbaren sie in ihrer Hermetik bisweilen auch eine Spur Humor. Seit 2014 ist Jan Neukirchen zudem als Teil des Duos Gruppe Stumpf aktiv. Schon im Entstehungsprozess sind die beiden Künstler in den Austausch mit der Pröpstin der Evangelisch-lutherischen Propstei Helmstedt und Königslutter, Katja Witte-Knoblauch, getreten. Das Anliegen war, im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und Kunst Impulse für Dialog und Vermittlung zu setzen. Zum Abschluss der Ausstellung wird mit den Beteiligten eine interdisziplinäre Diskussion stattfinden. Ausstellungsbegleitend entsteht ein Katalog mit Texten von Pröpstin Katja Witte-Knoblauch, Kurator Lino Heissenberg und dem Kulturschaffenden Sebastian Stein. Dieser wird zum Abschluss der Ausstellung vorgestellt.
Zu den Öffnungszeiten ist jeweils einer der beiden Künstler anwesend.
