Die Stadt Helmstedt verfolgt im Rahmen ihrer kommunalen Wärmeplanung das Ziel, eine weitgehend emissionsfreie und zukunftssichere Wärmeversorgung aufzubauen. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere für die zentralen und dicht bebauten Bereiche der Stadt – wie die Altstadt, das Conringviertel und das Elzwegviertel – die Entwicklung einer zentralen Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Dieses Konzept kann perspektivisch auf weitere Stadtgebiete ausgeweitet werden. Ein zentrales Element dieses Ansatzes ist die Nutzung des Lappwaldsee als Wärmequelle. Bei dieser sogenannten Seethermie wird dem Seewasser Energie entzogen und für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht. Ergänzend sollen weitere Energiequellen integriert werden, etwa Abwärme aus der Kläranlage, aus Rechenzentren oder aus Batteriespeichern. Auf diese Weise entsteht ein flexibles und erweiterbares Versorgungssystem, das unterschiedliche Energiequellen miteinander kombiniert.
Die Untersuchungen zeigen, dass der Lappwaldsee grundsätzlich ausreichend Potenzial besitzt, um einen erheblichen Anteil des Wärmebedarfs der Stadt zu decken. Für die langfristige Betrachtung wurde ein Wärmebedarf von rund 194.500 MWh pro Jahr zugrunde gelegt. Technische Herausforderungen bestehen insbesondere bei sehr niedrigen Wassertemperaturen unter 4 °C, da hier Eisbildung auftreten kann. Als Lösungsansätze kommen entweder alternative Systeme für diese Zeiträume oder spezielle Technologien wie die sogenannte Vakuum-Flüssigeis-Technologie in Betracht.
Als bevorzugte Versorgungsvariante wurde ein System entwickelt, das mehrere Komponenten kombiniert:
Nutzung von Seewasser als Hauptenergiequelle
Einbindung von Abwasserwärme aus der Kläranlage
Aufbau eines sogenannten „kalten Nahwärmenetzes“
Einsatz von dezentralen Wärmepumpen in einzelnen Quartieren
Möglichkeit zur Integration weiterer Abwärmequellen
Dieses System ermöglicht eine bedarfsgerechte Versorgung auf unterschiedlichen Temperaturniveaus und kann schrittweise erweitert werden. Gleichzeitig erlaubt es eine ganzjährige Wärmeversorgung ohne zusätzliche Reserveanlagen. Zu den Herausforderungen zählen insbesondere der Einsatz teilweise noch wenig erprobter Technologien sowie der Bedarf an Energiezentralen in den einzelnen Quartieren.
Die geplanten Wärmenetze sollen große Teile des Stadtgebiets erschließen. Vorrangig betrachtete Gebiete decken bereits rund 46 % des gesamten Wärmeverbrauchs ab. Der Transport der Wärme erfolgt über ein Netzsystem, das von der Seewasserentnahme sowie der Kläranlage in die Stadt führt. Dabei wird das Netz so ausgelegt, dass spätere Erweiterungen bereits berücksichtigt werden können. Ergänzend wurde das Potenzial der Abwasserwärme untersucht. Allein die Kläranlage kann demnach jährlich rund 7.000 MWh Wärme bereitstellen. Auch diese Energiequelle trägt zur Stabilität und Effizienz des Gesamtsystems bei. Neben den technischen Aspekten wurden auch Wirtschaftlichkeit, Energiepreise sowie Umweltwirkungen betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die geplanten Systeme langfristig wirtschaftlich betrieben werden können, wobei insbesondere die Entwicklung der Strompreise eine wichtige Rolle spielt. Gleichzeitig wird deutlich, dass durch den zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien im Strommix sowohl der Primärenergiebedarf als auch die CO₂-Emissionen künftig deutlich sinken werden. Insgesamt zeigt das Konzept, dass eine klimafreundliche Wärmeversorgung für Helmstedt technisch umsetzbar ist. Durch die Kombination aus Seethermie, Abwärmenutzung und modernen Wärmenetzen kann ein nachhaltiges, effizientes und zukunftsfähiges Energiesystem aufgebaut werden, das schrittweise erweitert und an neue Entwicklungen angepasst werden kann.