Autorin Alexandra Zykonov begeistert ihr Publikum mit feministischer Lesung
Auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Sonja Klein und Claudia Löw las die renommierte Journalistin und Autorin Alexandra Zykunov im ausgebuchten Pferdestall in Helmstedt aus ihrem aktuellen Buch „Was wollt ihr denn noch alles?!“ und begeisterte das Publikum mit ebenso klugen wie unterhaltsamen Worten.
„Wir sind doch alle gleichberechtigt“, dachte Zykunov selbst lange – bis sie Mutter wurde und eines Besseren belehrt wurde. Mit schonungsloser Offenheit schildert sie, wie ihr bei Diskussionen über die „K-Frage“ stereotype Rollenbilder nur so entgegenflogen. Mit viel Schärfe, fundiertem Hintergrundwissen und einer guten Portion Humor folgte eine ebenso unterhaltsame wie erschütternde Analyse struktureller Ungerechtigkeiten: von Algorithmen, die Frauen systematisch benachteiligen, bis hin zu Videokonferenzen, in denen Frauenstimmen schlechter übertragen werden – mit fatalen Folgen für ihre Wahrnehmung.
Temperamentvoll, ironisch zugespitzt und stets faktenbasiert deckt Zykunov auf, wo Frauen im Alltag diskriminiert werden. Sie spricht über den absurden „Thomas-Kreislauf“ in deutschen Vorstandsetagen und über Kreditsysteme, die Frauen schlechter stellen.
Ein besonderes Highlight der Lesung ist die Begegnung mit „Onkel Günther“ – jener fiktiven Figur, die auf jeder Familienfeier mit altbekannten Floskeln glänzt. „Toll, wie dein Mann dich im Haushalt unterstützt“ ist nur einer dieser Sätze, die Zykunov genüsslich seziert. „Ich werde diese Bullshit-Sätze hier in ihre Einzelteile zerlegen“, kündigt sie augenzwinkernd an – und trifft damit einen Nerv im Publikum. Was zunächst banal klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen tief verankerte Denkmuster. Immer wieder sorgen ihre zugespitzten Beobachtungen und treffenden Formulierungen für zustimmendes Lachen und nachdenkliches Nicken im Publikum.
Doch Zykunov bleibt nicht bei der Kritik stehen. Sie zeigt auch wie konkrete Veränderungen aussehen könnten: eine feministische Stadtplanung, die längere Ampelphasen, mehr Sitzbänke und ausreichend öffentliche Toiletten inklusive Haken an den Türen berücksichtigt. Sie spricht über den „Gender Pain Gap“ in der Medizin, über Forschungslücken rund um Schwangerschaft und Geburt – und stellt die provokante Frage: „Was wäre, wenn Männer gebären würden? “Die Antwort ist so klar wie entlarvend: Dann wäre dies als ein medizinisch hochrelevantes Thema eingestuft und intensiv erforscht.
Das Publikum zeigte sich durchweg begeistert und dankte der Autorin mit tosendem Applaus. Diese gab dem Publikum mit auf dem Weg: „Bleibt wütend – denn davor hat das Patriachat am meisten Angst“.
„Diese Lesung war mehr als eine Buchvorstellung – sie war ein leidenschaftliches Plädoyer für echte Gleichberechtigung“, sind sich Klein und Löw einig. „Wütend, klug und überraschend humorvoll führt Alexandra Zykunov vor Augen: Der Kampf ist noch lange nicht vorbei – aber er lohnt sich.“
Im Anschluss nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, bei einer Signierstunde persönlich mit Alexandra Zykunov ins Gespräch zu kommen und sich ein Exemplar signieren zu lassen. Ein Büchertisch, organisiert durch die Buchhandlung julius.buch, rundete den gelungenen Abend ab.
(Text: Claudia Löw)
